Hundeschlitten Tour
Joachim als Hundeschlittenführer
Es war einer dieser Tage, an denen der Winter nicht nur draußen existiert, sondern auch innen. Klar, still, wach. Die Luft war so kalt, dass sie beim Einatmen kurz brannte, aber genau dieses Brennen fühlte sich richtig an. -17 Grad sind halt spürbar aber das ich genau etwas, dass ich sehr liebe.
Schon die Fahrt nach Stonelake Hill bei Piteå hatte etwas Unwirkliches. Die Landschaft lag ruhig da, in diesem nordischen Weiß, das nicht leer ist, sondern voll. Voll von Weite. Voll von Zeit. Voll von einem Schweigen, das nicht drückt, sondern trägt. Ein paar Rentiere kreuzten unseren Weg und die Sonne stand am Himmel. Ein kleiner perfekter Tag in Lappland.
Als wir ankamen, war da zuerst dieses Geräusch. Kein Lärm. Kein Trubel. Sondern das leise Hecheln der Hunde, das Klirren von Geschirr, das Knirschen von Schnee unter Stiefeln. Wir wurden super lieb von Mathieu und seiner Frau empfangen, die diese kleine Hundeschlitten Farm betreiben. Schon bei der Ankunft war klar, dass es sich hier nicht um eine anonyme Touristenattraktion handelt, sondern um einen familiär geführten Ort, an dem mit viel Ruhe und Respekt gearbeitet wird.
Dann zu den Hunden, diese Energie. Wer jemals neben Schlittenhunden gestanden hat, weiß: Das sind keine nervösen Tiere. Das ist pure, gebündelte Vorfreude. Muskeln unter Fell. Augen, die sagen: Los. Jetzt. Wohin auch immer. Wir bekamen erstmal ein liebevolles Hundekonzert. Wahnsinnn wie laut Huskies sein können, aber auch super lustig.
wir begrüßen die Hunde
Ich war aufgeregt. Nicht dieses hektische Aufgeregtsein, sondern ein tiefes Kribbeln. Denn Hundeschlittenfahren ist kein Event. Es ist eine Zusammenarbeit. Mensch und Tier. Vertrauen. Rhythmus. Nach einer Begrüßung bei einem Saft und Einführung bekamen wir erklärt, wie der Ablauf der Hundeschlittenfahrt aussieht, wie der Schlitten funktioniert und worauf man achten sollte. Alles wurde verständlich erklärt, ohne Hektik oder Zeitdruck. Man merkte sofort, dass hier Erfahrung dahintersteckt.
Denn was ich vorher nicht wusste, man darf sogar selbst Hundeschlitten fahren und lenken. Wow, was für eine Chance. Ich habe mich allerdings nicht getraut, ihr wisst Leute, alles was man fahren kann ist nicht so meins. Joachim und auch unsere Tochter, haben sich den Spaß aber nicht nehmen lassen.
Als wir auf den Schlitten stiegen und die Hunde loszogen, passierte etwas Seltsames. Die Welt wurde auf einmal kleiner und größer zugleich. Kleiner, weil alles Überflüssige verschwand. Größer, weil sich der Blick öffnete. Ich bin also mit Mathieu gefahren, während Joachim hinter uns den Schlitten mit unseren Kindern übers Eis lenkte. Was für ein Erlebnis. Wie witzig meine Mütze nach kürzester Zeit aussah.
kurze Pause
ich während der Fahrt
Der Wind war kalt im Gesicht, bissig sogar, aber er machte den Kopf frei. Wirklich, es war bitterkalt und schon nach kürzester Zeit sah ich komplett gefroren aus. Aber es war einfach ein unglaubliches Gefühl und hat richtig Spaß gemacht.
Die Landschaft rund um Stonelake Hill war still und majestätisch. Bäume, schwer vom Schnee. Weite Flächen, die sich endlos anfühlten. Genau da wurde mir wieder klar, warum ich den Norden so liebe. Hier muss nichts laut sein, um stark zu wirken.
Besonders schön fanden wir, dass während der Fahrt immer wieder auf die Hunde geachtet wurde. Pausen wurden bewusst eingelegt, die Tiere wurden gelobt, kontrolliert und versorgt. Es ging nicht darum, möglichst schnell oder möglichst weit zu fahren, sondern darum, dass es für Mensch und Tier gut passt.
während der Fahrt
Hundeküsschen
Joachim bereitet sich vor
Nach der Tour hatten wir ausreichend Zeit, uns die Hunde in Ruhe anzuschauen, Fragen zu stellen und noch etwas vor Ort zu bleiben. Alles lief entspannt ab, ohne das Gefühl, dass man schnell wieder „abgefertigt“ wird. Sogar eine regionale Köstlichkeit durften wir probieren. Pitepalt. Man kann es vergleichen mit deutschen Schupfnudeln. Hier ist es quasi ein zerkleinerter Knödel mit Schinken, gebraten, dazu isst man Preiselbeermarmelade, Butter und ein Glas Milch. Sehr lecker!
Ein Punkt, der uns besonders wichtig war und den wir sehr positiv hervorheben möchten, ist die Haltung der Hunde.
Bei Stonelake Hill wird bewusst mit einer kleinen Anzahl an Hunden gearbeitet. Es gibt hier keine große Masse an Tieren, sondern nur so viele, wie man auch wirklich gut betreuen kann. Das merkt man sofort. Jeder Hund wird gesehen, kennt die Menschen vor Ort und wird individuell behandelt.
Die Hunde sind keine reinen Arbeitstiere, sondern Teil des Alltags der Betreiber. Besonders beeindruckend fanden wir, dass die Hunde nachts nicht draußen in Zwingern bleiben, sondern mit im Haus schlafen dürfen, sogar mit im Bett. Das zeigt sehr deutlich, welchen Stellenwert die Tiere hier haben.
Die Hunde wirkten ausgeglichen, zutraulich und vertraut mit Menschen.
Gerade weil Hundeschlittenfahrten oft kritisch betrachtet werden, war es uns wichtig, genau hinzusehen. Unser Eindruck war durchweg positiv. Hier steht das Wohl der Tiere klar im Vordergrund, und genau deshalb fühlte sich der Ausflug für uns richtig an.
Unser Fazit
Die Hundeschlittenfahrt bei Stonelake Hill in Piteå war für uns ein sehr gelungenes Erlebnis. Sowohl für uns Erwachsenen als auch für unsere Kinder. Wer eine authentische Hundeschlittenfahrt sucht und dabei Wert auf verantwortungsvolle Tierhaltung legt, ist hier aus unserer Sicht gut aufgehoben.