Vier Jahre Schweden

und eine Auswanderung im selben Land

Von den roten Holzhäusern Smålands in die endlosen Wälder Nordschwedens. Warum wir nach drei Jahren noch einmal alles verändert haben und wie aus einem Traum vom Leben in Schweden schließlich unser Zuhause im hohen Norden wurde.

Als wir im Oktober 2022 mit unseren beiden Kindern nach Schweden auswanderten, dachten wir, unser großes Abenteuer hätte gerade erst begonnen. Und das hatte es auch. Allerdings wussten wir damals noch nicht, dass uns unsere Reise eines Tages viele Hundert Kilometer weiter in den Norden führen würde.

Nachdem wir mehr oder weniger unfreiwillig schon zweimal umziehen mussten, einmal sogar für kurze Zeit im Värmland in einem Horrorhaus gelebt haben (Das muss ich euch unbedingt mal noch in einer anderen Geschichte erzählen..) fanden wir schließlich in Mariannelund, mitten im wunderschönen Småland ein Haus zur Miete, mit dem Gedanken für immer zu bleiben. Eine Region, die viele Menschen mit Schweden verbinden: rote Holzhäuser, glitzernde Seen, dichte Wälder und diese ganz besondere Idylle, die man aus den Geschichten von Astrid Lindgren kennt.

Wir waren angekommen. Zumindest geografisch. Dachten wir zumindest.

Denn während wir uns ein neues Leben aufbauten, hatte der Vermieter leider andere Pläne mit uns, denn er hatte sich kurzerhand dazu entschlossen, sein Objekt lieber für Airbnb anzubieten. Ja, da brach kurzerhand eine kleine Welt für uns alle zusammen. Aber nunja, auch das haben wir hinbekommen.

Småland – unser erstes Kapitel in Schweden

Småland war für uns der Beginn eines völlig neuen Lebens. Immer in unseren Herzen.

Hier lernten wir, was es wirklich bedeutet, in einem anderen Land anzukommen. Nicht als Urlauber, sondern als Familie, die ihren Alltag neu organisieren muss. Eine neue Sprache, ein anderes Schulsystem, unbekannte Abläufe und viele kleine Herausforderungen, über die man sich vorher kaum Gedanken macht. Natürlich gab es auch Momente, in denen wir uns fragten, ob wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Aber wir entdeckten ebenso die Dinge, die uns bis heute an Schweden begeistern: die Nähe zur Natur, die Gelassenheit und die vielen Möglichkeiten, draußen unterwegs zu sein. Småland war wunderschön. Bis wir dann vor die unfreiwillige Aufgabe gestellt wurden binnen 3 Monate ein neues Zuhause zu finden. Ihr müsst euch vorstellen, es ist nicht so einfach wie man das vielleicht aus Deutschland kennt, in der gleichen Stadt oder Nachbarnschaft zu bleiben. Es ist nicht dicht besiedelt und die meisten Objekte nur zum Kauf. Also verbrachten wir fast den kompletten Sommer damit, on the Road zu sein und nach einem neuen Zuhause für uns zu suchen. Viele Roadtrips. Wir hatten soviel Spaß und viel von Land und Leute dabei gesehen. Aber für uns war klar, weiter in den Süden dürfte es nicht gehen, eher gen Norden. Also fuhren wir, und fuhren… das Höchste war bis an die Höga Kusten. vorerst…

Die Sehnsucht nach dem hohen Norden rief still..

Es waren vor allem die langen Winter, die verschneiten Landschaften und die Vorstellung, irgendwann unter tanzenden Nordlichtern zu stehen, die uns nicht mehr losließen. Okay, eher mich. Ich schlug Joachim ein paar Objekte vor die deutlich über uns lagen, 1000-1500 km über uns um genau zu sein.

Wir ( Die Kids und ich) wollten richtige Winter erleben. Schnee, der nicht nach wenigen Tagen wieder verschwindet. Dunkle Nächte voller Sterne. Weite Landschaften, in denen die Natur noch einmal eine ganz andere Rolle spielt. Joachim war da noch nicht so von überzeugt.

Natürlich wussten wir, dass das Leben im Norden auch Herausforderungen mit sich bringt. Weniger Tageslicht, lange Wege, extreme Temperaturen und Winter, die manchmal kein Ende nehmen wollen. Doch genau dieser Norden zog uns immer stärker an.

Irgendwann wurde aus dem Gedanken „Wie wäre es eigentlich, dort zu leben?“ eine ernsthafte Überlegung. Auch in Joachim. Und schließlich eine Entscheidung. Gut, wir schauen uns Häuser auch im Norden an.

Im Herbst 2025 wagten wir den nächsten Schritt.

Nach rund drei Jahren in Småland zogen wir mit unseren Kindern weiter nach Nordschweden, schwedisch Lappland. Unser Zimtschneckenhäuschen hatte es uns sehr angetan, genauso wie die gute Infrastruktur und bessere schulische als auch beruflichen Möglichkeiten für unsere Kinder.

Und plötzlich fühlte sich vieles wieder wie eine Auswanderung an.

Wieder ein neues Zuhause. Wieder eine neue Schule für die Kinder. Wieder eine fremde Umgebung, in der wir uns erst zurechtfinden mussten. Obwohl wir Schweden inzwischen kannten und die Sprache längst nicht mehr so fremd war wie bei unserer ersten Auswanderung, bedeutete dieser Umzug erneut einen großen Neuanfang. Denn Schweden ist nicht überall gleich. Zwischen dem südlichen Småland und dem hohen Norden liegen nicht nur viele Kilometer, 15 Stunden, sondern teilweise auch völlig unterschiedliche Lebensbedingungen.

Unser eigenes Haus im Norden

Mit unserem Umzug erfüllte sich für uns noch ein weiterer Traum: Wir fanden unser eigenes Haus. Ein Zuhause, in dem wir bleiben und unsere Zukunft gestalten möchten. @Zimtschneckenhausen.

Hier erleben wir die Jahreszeiten noch einmal ganz anders. Klar, schließlich gibts hier im Norden sogar 8 Jahreszeiten, aber dies ist wieder eine andere Geschichte.. Die ersten frostigen Nächte im Herbst, die tief verschneiten Wälder, die langen dunklen Winterabende und schließlich das Licht, das im Frühjahr Tag für Tag zurückkehrt. Manchmal genügt ein Blick aus dem Fenster, um zu wissen, warum wir diesen Weg gegangen sind. Wenn der Himmel plötzlich grün zu leuchten beginnt und die Nordlichter über unserem Zuhause tanzen, ist das noch immer ein unglaubliches Gefühl. Etwas, das für viele Menschen ein einmaliges Reiseerlebnis ist, gehört nun zu unserem Leben. Trotzdem verliert es für uns nichts von seiner Magie.

Ist das Leben im Norden wirklich so romantisch?

Nein. Jedenfalls nicht immer.

So wunderschön Nordschweden ist, so ehrlich muss man auch über die Herausforderungen sprechen. Die Winter sind lang, sehr lang. Zu extrem Zeiten haben wir 3 Stunden Tageslicht. Die Entfernungen können groß sein. Nicht alles ist jederzeit erreichbar, und manche Dinge erfordern mehr Planung als in dichter besiedelten Regionen. Schneemassen und Temperaturen bis -30 Grad sind Alltag. Dies lässt einen umdenken, man muss mehr auf sich und gute Qualität seiner Kleidung achten, sonst können Erfrierungen drohen. Im Winter können Leitungen einfrieren etc., aber auch hier Freunde, dies ist ein anderes Kapitel das ich euch gern in einem anderen Beitrag erzählen mag.

Auch sollte man bedenken das hier eine andere Tierwelt lebt. Man selbst ist eher Gast in der Wildnis und lebt zwischen Elchen, Bären, Luchsen, Rentieren und Vielfrass etc.

Wir lieben all dies wirklich sehr, sonst wäre man hier auch glaub ich falsch.

Der Sommer wird dafür nicht dunkel, es ist 24/7 hell, inklusive Vogelgezwitscher. Dein ganzer Biorythmus ist quasi nicht mehr existent. Für uns eigentlich eher eine anstrengendere Jahreszeit als der dunkle Winter. Denn den braucht man, um sich vom intensiven Sommer zu erholen und neue Kräfte zu sammeln.

Auch ein eigenes Haus bringt Verantwortung und unerwartete Ausgaben mit sich. Natürlich bedeutet ein weiterer Umzug für Kinder, erneut Freundschaften aufzubauen und ihren Platz in einer neuen Umgebung zu finden. Eine Auswanderung ist eben kein dauerhafter Urlaub. Und eine zweite Auswanderung innerhalb desselben Landes erst recht nicht. Die Vorstellung das wir im selben Land weiter umgezogen sind als zuvor von Deutschland in ein anderes Land, erklärt viel, wie riesig Schweden eigentlich ist.

Aber sie kann trotzdem genau die richtige Entscheidung sein. Wir sind zuhause!

Vier Jahre Schweden und noch immer voller Entdeckungen

Im Oktober 2026 jährte sich unsere Auswanderung zum vierten Mal. Vier Jahre voller Veränderungen, Erfahrungen und Erinnerungen. Wir haben gelernt, dass Ankommen nicht unbedingt bedeutet, für immer am ersten Ort zu bleiben. Manchmal muss man erst ein Stück des Weges gehen, um herauszufinden, wo man wirklich leben möchte. Småland wird immer einen besonderen Platz in unserer Geschichte haben. Dort begann unser schwedisches Abenteuer. Wir lieben es dort und hoffen insgeheim, irgendwann dort einmal ein kleines Sommerhaus zu haben.

Aber hier oben im Norden haben wir einen Ort gefunden, der sich für uns nach Zukunft anfühlt. Nach Heimat.

Während wir weiterhin neue Regionen erkunden, Traditionen kennenlernen und gemeinsam als Familie Abenteuer erleben, merken wir immer wieder:

Manchmal führt der Weg nach Hause nicht zurück, sondern noch ein ganzes Stück weiter in den Norden. Auch nach 4 Jahren Schweden wollte noch nie jemand wieder zurück. Wir sind angekommen, sprechen die Sprache, haben unseren Alltag und unsere Entscheidung Deutschland damals hinter uns gelassen zu haben, nie bereut. Denn wir haben uns damals nicht gegen etwas entschieden, sondern für etwas.

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Wie Schweden uns verändert hat

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Kukkolaforsen: Wo der Norden seine Geschichte erzählt