Zwischen Leuchtturm, Meer und Sturm. Eine Nacht in Bjuröklubb
Manchmal sind es nicht die Orte, von denen man vorher schon hundert Bilder gesehen hat, die einem besonders im Gedächtnis bleiben. Manchmal fährt man einfach immer weiter. Vorbei an kleinen Orten, durch Wald, Richtung Küste, bis irgendwann tatsächlich nicht mehr viel Straße übrig ist.
Und dort liegt Bjuröklubb. Gar nicht weit von unserem zuhause. Wow, so ein wunderschöner Ort. Naturschutzgebiet, Leuchtturm und einem richtig süßen Cafe.
Etwa 20 Kilometer von der E4 bei Lövånger entfernt ragt die Halbinsel in den Bottnischen Meerbusen. Glatte Felsen, vom Wind geformte Bäume, Meer bis zum Horizont und mittendrin der alte Leuchtturm mit seinem gelben Fyrmästarhaus. Seit 1859 weist hier ein Leuchtfeuer den Schiffen den Weg. Bis 1970 war die Station sogar noch bemannt.
Wir kamen allerdings nicht nur her, um uns den Leuchtturm anzusehen.
Wir haben hier übernachten. Was für ein Abenteuer.
der Leuchtturm
Wir laufen den Steg hoch
wunderschöne Aussicht
Wohnen mit dem Meer vor dem Fenster
Schon beim Betreten des Hauses hatte ich dieses Gefühl, das ich bei Unterkünften viel lieber mag als perfekt durchgestylten Hotelkomfort: Hier hat der Ort noch eine Geschichte.
Alte Lampen, Holzmöbel, große Fenster und dahinter einfach nur Blau. Was für ein Gefühl. Ich hätte gar nicht gedacht, dass es dort so geräumig und gemütlich ist. Insgesamt 7 Schlafplätze findet man dort.
Beim Essen saßen wir tatsächlich mit Blick über das Meer am Tisch. Einer dieser Momente, bei denen man zwischendurch automatisch aus dem Fenster schaut, obwohl man sich eigentlich gerade unterhält.
Das Wohnzimmer
Gegessen haben wir auch ziemlich grandios.
Auf dem Tisch standen verschiedene regionale Gerichte und Spezialitäten und ich weiß noch, dass ich bei manchen Kombinationen dachte: Warum habe ich das eigentlich noch nie so gegessen? Bolognese für die Kinder und für uns großen gab es ein Pilz Risotte. Es war wirklich so unglaublich lecker und schaut euch mal diese Aussicht an. Daran könnte ich mich gewöhnen. Was ich toll fand war auch, dass das Frühstück für den nächsten Tag bereits schön angerichtet im Kühlschrank auf einem wartete.
Wenn die Sonne hinter dem Meer verschwindet
Am Abend wurde das Licht immer weicher. Über dem Wasser lag ein schmaler Streifen Orange und Rosa, darüber diese schweren blaugrauen Wolken, während der Wind uns ordentlich durchpustete. Wir standen auf der Aussichtsplattform, machten Familienbilder und wollten eigentlich ein schönes Paarfoto von Joachim und mir. Eigentlich. (Die Bilder erspare ich euch an dieser Stelle aber lieber).
Joachim stellte sich hinter mich, verschwand aufgrund unserer ungefähr gleichen Körpergröße allerdings fast vollständig. Wir hatten alle soviel Spaß und lachten uns kaputt.
Später, als es dunkler wurde, leuchteten die Fenster des Hauses warm in die Dämmerung und über allem stand der Leuchtturm. Das war vermutlich mein liebster Moment dort.
Bjuröklubb ist viel mehr als ein Leuchtturm
Bjuröklubb ist heute ein 919 Hektar großes Naturreservat. Zwischen glattgeschliffenen Felsen liegen Klappersteinfelder, alte Wälder und Sanddünen. Die Landzunge selbst tauchte durch die Landhebung vor ungefähr 4.000 Jahren aus dem Meer auf. Spuren von Menschen gibt es hier ebenfalls seit Jahrhunderten: In der Umgebung des Leuchtturms befinden sich unter anderem Überreste einfacher mittelalterlicher Behausungen von Robbenjägern und Fischern.
Auch für die Schifffahrt war Bjuröklubb lange wichtig. Neben der Leuchtturmstation gab es hier einen Lotsenplatz; der ehemalige Lotsenhafen wird heute als Gästehafen genutzt.
Dann sind da noch die Vögel. Besonders während des Frühjahrszugs kann Bjuröklubb ziemlich beeindruckend werden: An guten Tagen ziehen laut Länsstyrelsen Zehntausende bis sogar Hunderttausende kleiner Zugvögel an der Leuchtturmstation vorbei. Ich werde aufjedenfall da nochmal wieder kommen und mir das anschauen.
Bei unserem Besuch im September war es dagegen schon deutlich herbstlicher.
Zwischen Felsen und Flechten stand plötzlich dieser vollkommen kitschig perfekte rote Fliegenpilz. Die Bäume färbten sich langsam gelb und orange und unten am Wasser peitschte der Wind kleine Wellen gegen die Steine. Irgendwo dazwischen saßen wir einfach auf den Felsen. Ben mit einem Comic. Ich daneben. Meer vor uns. Mehr brauchte es in dem Moment eigentlich nicht.
Und dann kam die Nacht
Dass Bjuröklubb so exponiert an der Küste liegt, merkten wir spätestens einige Stunden später. Der Wind nahm zu. Dann kam Regen. Gewitter. Irgendwann fiel sogar der Strom aus. Aber zum Glück nur ganz kurz. Wenn man nachts in einem alten Haus direkt am Meer liegt und draußen der Wind um das Gebäude zieht, klingt übrigens alles ungefähr dreimal dramatischer, als es tagsüber aussieht.
Am nächsten Morgen war davon allerdings kaum noch etwas übrig. Plötzlich lag Bjuröklubb unter blauem Himmel. Das Meer war tiefblau, die Sonne schien nach ein bisschen Anlaufschwierigkeiten auf die gelben Wände der alten Leuchtturmstation und der Ort, der sich wenige Stunden vorher noch vollkommen wild angefühlt hatte, sah plötzlich fast friedlich aus.
Denn besonders wurde Bjuröklubb für mich erst in den Stunden dazwischen: beim Abendessen mit Meerblick. Beim Herumsitzen auf den Felsen. Beim Sonnenuntergang. Beim Lachen über vollkommen misslungene Familienfotos. Beim Blick aus dem Fenster. Und morgens, wenn derselbe Ort plötzlich wieder völlig anders aussieht.
Vielleicht sind genau das die Plätze, die ich an Nordschweden am liebsten mag. Nicht unbedingt diejenigen, an denen möglichst viel passiert. Sondern diejenigen, an denen man irgendwann aufhört, nach dem nächsten Programmpunkt zu suchen und einfach bleibt. Es hat uns wirklich richtig gut gefallen. Man hat sogar die Möglichkeit am Gästehafen (5 min. Fußweg) zu baden und in die Sauna zu gehen. Ein toller Ort zum entspannen und für die schönsten Sonnenuntergänge.